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20. September 2019

Erstaunliche Erkenntnisse

Mein Besuch bei taz, Krautreportern und steady

Ein intensiver Tag in Berlin - als Teilnehmerin einer KM. (Katholischer Medienverband) Veranstaltung. Unter dem Thema "Learning Journey "digital rulebreakers" waren wir mit acht Personen in Berlin unterwegs.

Fasziniert hat mich gleich unsere erste Station die "taz". Als Gäste in der Redaktionssitzung durften wir live mitbekommen, wie dort engagiert und leidenschaftlich um Inhalte gerungen wird. Online- und Printredaktionen gehören zusammen. Texte entstehen so, dass sie sowohl online als auch print genutzt werden können. Das Team versucht in Themen zu denken, nicht in der Blattstruktur von Seite 1 oder Seite 3 und 7. Weil auch die taz merkt, dass die Auflagen geringer werden, gibt es Produktentwickler im Haus. Diese arbeiten eng mit der Geschäftsleitung und der Chefredation zusammen. Denn E-Paper wachsen zwar in ganz Deutschland, aber weitere Modelle sollen entwickelt und ausgebaut werden. Insgesamt wird die taz von einem Genossenschaftsmodell getragen. Chefredakteur Georg Löwisch nahm sich viel Zeit für uns. Im Gespräch wurde deutlich, dass die taz von der Begeisterung der Menschen für die taz-Ziele und Inhalte lebt. Man hat 40 Jahre daran gearbeitet, sich als Marke zu etablieren, obwohl die Auflage für einer überregionale Tageszeitung nicht sehr groß ist. Das klare Profil sorgt für engagierte Unterstützer. Georg Löwisch stellt klar, sein Konkurrent ist heute nicht mehr die Süddeutsche oder die FAZ sondern Fortnight, netflix und co.

Nächste Station unserer Reise waren die "krautreporter" - Auch die Krautreporter sind "mission driven". Sie arbeiten fast ausschließlich online in einem kleinen Journalistenteam. Sie gehören keinem Medienkonzern. Krautreporter ist werbefrei - erzählt uns Rico Grimm und wird ausschließlich von seinen Mitgliedern finanziert und getragen von einer Genossenschaft. Das Besondere: Sie mischen sich nicht in die tagesaktuellen Themen ein, sondern nehmen sich Zeit um ausgewählte Themen ausführlich zu recherchieren und dann zu veröffentlichen. Sie sind der Meinung, ihre Leser wollen unterhalten werden und mitbekommen, was und warum Dinge geschehen. Die Journalisten von Krautreporter wollen in Kontakt mit ihren "Genossen" sein und beziehen sie deshalb immer wieder mit ein. Zum Beispiel dadurch, dass sie Fragen stellen: Was verstehst du nicht? Welche Erfahrungen hast du mit xy gemacht? Bist du der Meinung, dass ....

Das Inhalte auch Organisation und Verwaltung benötigen, hat Krautreporter ebenfalls erkannt. Dazu passte dann unser dritter Kontakt mit "steady". (steadyHQ.com). Sie kümmern um die technischen und betriebswirtschaftlichen Grundlagen; für kleinste Firmen mit einer Person bis hin zu größeren Unternehmen. Dr. Gabriel Yoran, einer der Gründer von steady, weiß, worauf es ankommt. Es muss allen Online-Publizisten immer klar sein, "wofür steht wir" und "was sind unsere Ziele". Wenn das klar ist, dann kann es gelingen, Menschen zu gewinnen die für Inhalte bezahlen, weil sie sich mit xy identifizieren und weil ihnen wichtig ist, dass diese Inhalte online verfügbar sind und geteilt werden können.

Erstaunt und überrascht hat mich, wie verwandt die existentiellen Themenstellungen mit unseren Fragestellungen in der christlichen Medienwelt sind. So gab es einige Impulse und Anregungen, die sich auch für unsere Aufgabenstellung gut umsetzen lassen. Das war eine interessante Tagesreise; vielen Dank an Konrad Höß und Georg Frericks für die Organisation vorab und ganz praktisch in Berlin. Renate Nolte

 

 

 

 

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